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Schmerz am Sehnenansatz: Warum nicht nur die Sehne im Fokus stehen sollte



Bei Läufern kann sich ein  sogenannte Läuferknie entwickeln.
Bei Läufern kann sich ein sogenannte Läuferknie entwickeln.

Schmerz am Sehnenansatz

Schmerzen am Sehnenansatz entstehen meist nicht isoliert in einer einzelnen Struktur. Häufig ist das Zusammenspiel aus Muskel, Sehne, Belastung und Regeneration gestört. Wer nur den schmerzhaften Punkt behandelt, übersieht daher oft wichtige Ursachen im gesamten Muskel-Sehnen-System.


Das biomechanische Zusammenspiel

Muskeln und Sehnen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Der Muskel erzeugt Kraft. Die Sehne überträgt diese Kraft auf den Knochen. Während Muskeln gut durchblutet sind und sich relativ rasch an Belastungen anpassen können, reagieren Sehnen deutlich langsamer.

Wird die Belastung schneller gesteigert, als die Sehne sie verarbeiten kann, entstehen mikroskopische Veränderungen im Gewebe. Der Sehnenansatz wird empfindlich und schmerzhaft. Er ist dann nicht einfach „entzündet“, sondern häufig Ausdruck einer gestörten Anpassung an mechanische Belastung.


Der Muskel als wichtiger Einflussfaktor

Ein überlasteter oder dauerhaft erhöhter Muskeltonus kann die Zugkräfte auf die Sehne verstärken. Auch muskuläre Schwächen, eingeschränkte Beweglichkeit oder ungünstige Bewegungsmuster können dazu beitragen, dass der Sehnenansatz wiederholt überfordert wird.

Der Muskel ist deshalb nicht automatisch der alleinige Auslöser. Er ist aber oft ein entscheidender Teil des Problems. Sehnenbeschwerden sollten daher nicht nur lokal betrachtet werden, sondern immer im Zusammenhang mit Kraft, Beweglichkeit, Technik und Belastungssteuerung.


Wo liegt die eigentliche Ursache?

Der Schmerz zeigt sich häufig am Sehnenansatz. Die Ursache liegt jedoch nicht immer exakt dort. Bei wiederkehrenden Beschwerden lohnt sich der Blick auf das gesamte Bewegungssystem: Wie wurde trainiert? Wurde die Belastung zu schnell erhöht? Gibt es Kraftdefizite? Ist die Regeneration ausreichend? Werden bestimmte Strukturen dauerhaft überlastet?

Ein Beispiel ist das Läuferknie. Der Schmerz tritt meist an der Außenseite des Knies auf. Dahinter können jedoch verschiedene Faktoren stehen: Trainingsumfang, Lauftechnik, Hüftstabilität, muskuläre Kontrolle oder individuelle Belastbarkeit des Gewebes.


Sinnvolle Strategien in der Praxis

Wer Sehnenansatzschmerzen nachhaltig verbessern möchte, sollte nicht nur den schmerzhaften Punkt beruhigen, sondern die Belastbarkeit des gesamten Systems wieder aufbauen.

Belastung anpassen: Eine vorübergehende Reduktion der auslösenden Belastung ist oft sinnvoll. Vollständige Schonung ist jedoch selten die beste Lösung.

Sehne gezielt trainieren: Kontrollierte Kraftreize helfen der Sehne, sich wieder an Belastung anzupassen. Geeignet sind je nach Situation isometrische, exzentrische oder langsam ausgeführte Kraftübungen.

Muskulatur regulieren: Wärme, Massage oder manuelle Techniken können helfen, muskuläre Spannung zu reduzieren und Beschwerden zu lindern.

Bewegungsmuster prüfen: Bei wiederkehrenden Beschwerden sollten Technik, Kraftverhältnisse und Trainingsplanung analysiert werden.


Fazit

Schmerzen am Sehnenansatz sind ein Warnsignal des Muskel-Sehnen-Systems. Die Sehne meldet den Schmerz, doch die Ursache liegt häufig im Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Entscheidend ist deshalb nicht die Frage, ob Muskel oder Sehne „schuld“ ist, sondern warum das System seine Belastbarkeit verloren hat.

Eine wirksame Behandlung berücksichtigt Sehne, Muskel, Bewegung und Belastung gemeinsam. Genau dort liegt der Schlüssel zu nachhaltiger Besserung.

 
 
 

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